Fragen und Anmerkungen zum Förderprogramm für Behinderteneinrichtungen und dem „Gültsteinprozess 2012/2013“ von Gotthilf Lorch, Sprecher der LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik der Partei DIE LINKE in Baden-Württemberg

Sehr geehrter Herr Weimer,
sehr geehrte Frau Clauss,
sehr geehrter Herr Weber,

die Ereignisse haben sich in den letzten beiden Wochen überschlagen. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, um ein paar Fragen zu stellen.

Am 14.07.2014 erklärte ihr Ministerium die Freigabe der 1. Tranche des Förderprogramms für Behinderteneinrichtungen – über 20,5 Mio. Euro gesamt. Die beiliegende Tabelle zeigt, dass die Hälfte Neubauten und davon wieder 9 Pflegeheime der „Eingliederungshilfe“ finanziert werden.

Wurde eigentlich nicht schon in der letzten CDU-FDP-Regierung im Zuge der UN-BRK beschlossen, künftig keine weiteren Pflegeheime der „Eingliederungshilfe“ zu finanzieren?

Beinahe ein Drittel des Förderprogramms kommt aus der Ausgleichsabgabe. Sie schreiben: „Ausgleichsabgabemittel kommen von Betrieben, die mehr als 20 Arbeitsstellen anbieten, aber nicht die gesetzlich vorgeschriebene Zahl schwerbehinderter Menschen (fünf Prozent der Belegschaft) beschäftigen.“ Ich weiß, sie ist zur Ermöglichung der Arbeitsplatzbeschaffung und –erhalt mit Hilfe von Hilfsmitteln aller Art, Arbeitsassistenz und Begleitung in z.B. einem persönlichen Budgets etc. Auch WfBMs bekommen hier direkte und indirekte Hilfen zur Arbeitspatz- und Arbeitsbeschaffung. Aber:

Dürfen Mittel der Ausgleichsabgabe für Neubauten von WfBMs eingesetzt werden? Wenn ja, wo steht das? Und wurde das schon inhaltlich mit der UN-BRK bereinigt?

Der im April 2012 begonnene „Gültsteiner Prozess“ sollte möglichst schnell neue Richtlinien erarbeiten, wie ein künftiges Förderprogramm Geld ausschüttet, da das Alte bereits Ende 2012 auslief. Richtlinien wurden geschaffen, der „Kuchen“ wurde untereinander (Großeinrichtungen (eher exklusiv) und Kleineinrichtungen (eher inklusiv) aufgeteilt. Mitsprache von Betroffenen gab es aber so gut wie nicht. Neue, innovative Ideen und Gedanken wurden abgeblockt und waren nicht einmal einen Spiegelstrich als nennenswerter Diskussionspunkt wert. Ich musste noch dankbar sein für eine Fußnote (Impulspapier Inklusion, S 23). Die Abschlussveranstaltung am 12.07.2013 zeigte dann auch das ganze Ausmaß des Nichtverstehens der Inklusion von Seiten der großen Institutionen und Verwaltungen. Dennoch wurde versprochen, den Gültsteiner Prozess unter besserer Beteiligung von Betroffenen fortzusetzen.

Wann und in welcher Form wird dies geschehen? Wurden Betroffene bei der Entscheidung über die tatsächliche Verteilung der Fördermittel beteiligt? Wird das künftig geschehen?

Zum Schluss noch ein paar Bemerkungen zum Schreiben vom 09.04.2014 von Ministerialdirektor Jürgen Lämmle und der interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA) zur Konversion von Komplexträgereinrichtungen der Behindertenhilfe.

Auch hier geht es nicht um die Inklusion und Verbesserung der Lebenssituationen von nichtbehinderten und behinderten Menschen im Sinne der Umsetzung der UN-BRK, sondern einzig und allein um den Erhalt veralteter Strukturen der Komplexeinrichtungen.140409 – BekanntgabeErgebnisseIMAKomplexträger Impulspapier Inklusion Endfassung

Es gibt keine Sondergebiets- und Infrastrukturproblematik. Machen wir die Komplexeinrichtungen zu Wellness-Centers (Weimers Vorschlag beim 1. Treffen in Gültstein) oder Kulturzenten etc., öffnen wir Grund und Boden günstig für Bebauung im Mischgebiet, fördern wir den Wohnungsbau und das Gewerbe mit der Bedingung, alles muss barrierefrei sein, geben wir das Geld den Kommunen zum Kanalisationsbau etc., schaffen wir Straßen und Nahverkehrspläne, die rasch funktional und barrierefrei umgesetzt werden. Dann sind für Alle die meisten Probleme gelöst. Und die MitarbeiterInnen der Komplexeinrichtungen sind weiterhin hochwillkommen als AssistentInnen, TherapeutInnen, BegleiterInnen und in der Organisation im persönlichen Budget und der Assistenzfirmen.

Da leider in letzter Zeit wenig zu spüren war von einer vertrauensvollen und transparenten Zusammenarbeit, oder dem Willen einer Beteiligung zu irgendwas, werde ich mich darum bemühen, schon dieses Schreiben und alle Weiteren auch auf der Seite https://behindertinbawue.wordpress.com/ der LAG Behindert in Baden-Württemberg zu veröffentlichen.

Danke für die Beantwortung der Fragen.

Mit freundlichen Grüßen

Gotthilf Lorch

(die LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik der LINKEN ist Mitglied in der LAG Behindert in Baden-Württemberg)

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Fragen und Anmerkungen zum Förderprogramm für Behinderteneinrichtungen und dem „Gültsteinprozess 2012/2013“ von Gotthilf Lorch, Sprecher der LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik der Partei DIE LINKE in Baden-Württemberg

Sehr geehrter Herr Weimer,
sehr geehrte Frau Clauss,
sehr geehrter Herr Weber,

die Ereignisse haben sich in den letzten beiden Wochen überschlagen. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, um ein paar Fragen zu stellen.

Am 14.07.2014 erklärte ihr Ministerium die Freigabe der 1. Tranche des Förderprogramms für Behinderteneinrichtungen – über 20,5 Mio. Euro gesamt. Die beiliegende Tabelle zeigt, dass die Hälfte Neubauten und davon wieder 9 Pflegeheime der „Eingliederungshilfe“ finanziert werden.

Wurde eigentlich nicht schon in der letzten CDU-FDP-Regierung im Zuge der UN-BRK beschlossen, künftig keine weiteren Pflegeheime der „Eingliederungshilfe“ zu finanzieren?

Beinahe ein Drittel des Förderprogramms kommt aus der Ausgleichsabgabe. Sie schreiben: „Ausgleichsabgabemittel kommen von Betrieben, die mehr als 20 Arbeitsstellen anbieten, aber nicht die gesetzlich vorgeschriebene Zahl schwerbehinderter Menschen (fünf Prozent der Belegschaft) beschäftigen.“ Ich weiß, sie ist zur Ermöglichung der Arbeitsplatzbeschaffung und –erhalt mit Hilfe von Hilfsmitteln aller Art, Arbeitsassistenz und Begleitung in z.B. einem persönlichen Budgets etc. Auch WfBMs bekommen hier direkte und indirekte Hilfen zur Arbeitspatz- und Arbeitsbeschaffung. Aber:

Dürfen Mittel der Ausgleichsabgabe für Neubauten von WfBMs eingesetzt werden? Wenn ja, wo steht das? Und wurde das schon inhaltlich mit der UN-BRK bereinigt?

Der im April 2012 begonnene „Gültsteiner Prozess“ sollte möglichst schnell neue Richtlinien erarbeiten, wie ein künftiges Förderprogramm Geld ausschüttet, da das Alte bereits Ende 2012 auslief. Richtlinien wurden geschaffen, der „Kuchen“ wurde untereinander (Großeinrichtungen (eher exklusiv) und Kleineinrichtungen (eher inklusiv) aufgeteilt. Mitsprache von Betroffenen gab es aber so gut wie nicht. Neue, innovative Ideen und Gedanken wurden abgeblockt und waren nicht einmal einen Spiegelstrich als nennenswerter Diskussionspunkt wert. Ich musste noch dankbar sein für eine Fußnote (Impulspapier Inklusion, S 23). Die Abschlussveranstaltung am 12.07.2013 zeigte dann auch das ganze Ausmaß des Nichtverstehens der Inklusion von Seiten der großen Institutionen und Verwaltungen. Dennoch wurde versprochen, den Gültsteiner Prozess unter besserer Beteiligung von Betroffenen fortzusetzen.

Wann und in welcher Form wird dies geschehen? Wurden Betroffene bei der Entscheidung über die tatsächliche Verteilung der Fördermittel beteiligt? Wird das künftig geschehen?

Zum Schluss noch ein paar Bemerkungen zum Schreiben vom 09.04.2014 von Ministerialdirektor Jürgen Lämmle und der interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA) zur Konversion von Komplexträgereinrichtungen der Behindertenhilfe.

Auch hier geht es nicht um die Inklusion und Verbesserung der Lebenssituationen von nichtbehinderten und behinderten Menschen im Sinne der Umsetzung der UN-BRK, sondern einzig und allein um den Erhalt veralteter Strukturen der Komplexeinrichtungen.140409 – BekanntgabeErgebnisseIMAKomplexträger Impulspapier Inklusion Endfassung

Es gibt keine Sondergebiets- und Infrastrukturproblematik. Machen wir die Komplexeinrichtungen zu Wellness-Centers (Weimers Vorschlag beim 1. Treffen in Gültstein) oder Kulturzenten etc., öffnen wir Grund und Boden günstig für Bebauung im Mischgebiet, fördern wir den Wohnungsbau und das Gewerbe mit der Bedingung, alles muss barrierefrei sein, geben wir das Geld den Kommunen zum Kanalisationsbau etc., schaffen wir Straßen und Nahverkehrspläne, die rasch funktional und barrierefrei umgesetzt werden. Dann sind für Alle die meisten Probleme gelöst. Und die MitarbeiterInnen der Komplexeinrichtungen sind weiterhin hochwillkommen als AssistentInnen, TherapeutInnen, BegleiterInnen und in der Organisation im persönlichen Budget und der Assistenzfirmen.

Da leider in letzter Zeit wenig zu spüren war von einer vertrauensvollen und transparenten Zusammenarbeit, oder dem Willen einer Beteiligung zu irgendwas, werde ich mich darum bemühen, schon dieses Schreiben und alle Weiteren auch auf der Seite https://behindertinbawue.wordpress.com/ der LAG Behindert in Baden-Württemberg zu veröffentlichen.

Danke für die Beantwortung der Fragen.

Mit freundlichen Grüßen

Gotthilf Lorch

(die LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik der LINKEN ist Mitglied in der LAG Behindert in Baden-Württemberg)140409 – BekanntgabeErgebnisseIMAKomplexträger Impulspapier Inklusion Endfassung

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Eltern sollen zukünftig die Wahl haben

Stuttgart (kobinet) Der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hat Eckpunkte zur Umsetzung von Inklusion an den Schulen bekannt gegeben. Künftig sollen Eltern die Wahl haben, berichtet SWR1 in seinem Nachrichtenportal.

Kern des Plans ist es dem Bericht zufolge, dass Eltern nach dem Aus für die Sonderschulpflicht wählen können, ob sie ihr behindertes Kind auf eine Regelschule oder eine Sonderschule schicken. „Es soll zur Normalität werden, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart. Das Kabinett hatte zuvor die Eckpunkte gebilligt und das Kultusministerium beauftragt, auf dieser Basis die Gesetzesnovelle vorzubereiten, heißt es bei SWR1.

Link zum SWR-Bericht

„Endlich ist das inklusive Schulgesetz offiziell auf den Weg gebracht worden. Nun muss es nur noch fertig werden, und das wird, angesichts der immer noch ausstehenden Einigung mit den kommunalen Leistungsträgern, schwer genug“, erklärte die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg Gemeinsam leben – gemeinsam lernen Claudia Heizmann. „Es ist aus unserer Sicht dringend notwendig, dass das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird. Denn das lange Zögern der Landesregierung hat bereits jetzt einen hohen Preis: Es gibt schon wieder Lehrerkollegien, die Beschlüsse gegen Inklusion gefasst haben. Elternschaften meinen, sie könnten mitbestimmen, ob und welche ‚Behinderte‘ in die Klasse ihrer Kinder kommen. Schulämter brauchen dringend das klare Wort aus Stuttgart, dass Inklusion nun endlich kein ‚Versuch‘ mehr ist, sondern in Baden-Württemberg gesetzlich geregelt und damit für alle Schulen und Schularten ‚gesetzt‘ ist.“

Im Hinblick auf das geplante Gesetzgebungsverfahren betonte Britta Schade vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in Stuttgart, dass Inklusion nicht nur Inklusion in der Schule bedeute, sondern gesamtgesellschaftlich umzusetzen und ein Menschenrecht sei. „Es sollte um die ‚Schule für alle‘ gehen – eine Schule der Vielfalt – eine Schule in der jedes Kind entsprechend seiner Individualität gefördert wird und seine Ressourcen gestärkt werden. Es kann und darf nicht sein, dass es nur die ganze Zeit um die Inkluison der behinderten Kinder geht – was auch immer behindert ist – das sind auch die vielen Kinder die sogenannt verhaltensauffällig sind – und dies oft durch gesellschaftliche Umstände. Erst wenn alle Kinder von Beginn an miteinander aufwachsen, wird es normal sein verschieden zu sein.“

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Bericht vom zweiten runden Tisch am 06.10.2011

Das ZsL Stuttgart und die Initiative „Runder Tisch: Behindert in BaWü“ veranstalteten am
06. Oktober 2011 um 19:00 Uhr den zweiten Runden Tisch für Menschen mit Behinderungen.

Zu Gast war der neue Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Gerd Weimer. Er stellte sich den Anregungen und der Kritik des runden Tisches.

Bei seiner Ernennung im Juli 2011 gab es von verschiedenen Betroffenenverbänden Kritik, da bei der Besetzung des Amtes erneut über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden wurde. Gerd Weimer zeigte Verständniss für diese Reaktion, machte aber auch deutlich, dass seiner Meinung nach andere Aspekte ebenso wichtig seien. Schließlich könne er, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, ministeriums- und parteiunabhängig arbeiten und bringe viel Erfahrung aus der Kommunal- und Landespolitik mit. „Grünrot wird mehr für Menschen mit Behinderung tun“, ist sich Weimer sicher.

Während des zweistündigen Treffens bezog er Stellung zu verschiedenen behindertenpolitischen Themen. Immer unter der Berücksichtigung der UN-Behindertenrechtskonvention. So setze er sich für die Dezentralisierung der Komplexeinrichtungen ein und bei der Beschulung von Kindern mit Behinderungen für ein freies Wunsch- und Wahlrecht der Eltern. „Das Schulsystem dahingehend weiterzuentwickeln ist eine Herausforderung und nicht kostenneutral zu bewerkstelligen. Grünrot wird hier gasgeben“, sagte Weimer.

Er bezeichnete sich selbst als großen Fan des persönlichen Budgets, sehe aber noch Verbesserungsbedarf. Noch viel mehr Menschen könnten ein persönliches Budget haben, wenn die Beantragung nicht so hohe Hürden hätte. Auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Landkreisen prangerte er an. „Menschen in strukturschwachen Landkreisen dürfen nicht benachteiligt werden. Diesen Appell werde ich immer wieder äußern.“

Im weiteren Verlauf ermunterte er die Anwesenden nochmals, Einzel-, Klage- und Rechtsfälle direkt an ihn zu schicken. Auch Ideen und Konzepte dürfen direkt an ihn geschickt werden, er sei über jede Anregung dankbar. So könnten zum Beispiel Verbesserungsvorschläge für ein neues Landesgleichstellungsgesetz direkt bei ihm abgegeben werden. „Das LGG in Baden-Württemberg ist das schlechteste in Deutschland. Eine Novellierung steht ganz klar auf der Agenda“, so Gerd Weimer.

Ein ausführliches Protokoll dieses Abends gibts hier:
Protokoll vom 06.10.2011

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Einladung zum runden Tisch „behindert in BaWü“

Liebe Teilnehmer des runden Tisches,

wir möchten euch zu unserem nächsten runden Tisch „behindert in BaWü“ herzlich einladen.

Am 06. Oktober 2011 wollen wir uns um 19:00 Uhr zum zweiten runden Tisch „Behindert in BaWü“ im Zentrum für selbstbestimmtes Leben, Reinsburgstr. 56, 70178 Stuttgart treffen.

Dieses mal wird der neue Beauftrage für behinderte Menschen in Baden-Württemberg, Gerd Weimer, zu Gast sein. Er wird sich und seine Ziele in seinem neuen Amt vorstellen. Im Gegenzug wollen wir Herrn Weimer unsere Initiative und unsere Ziele / Vorstellungen von der zukünftigen Behindertenpolitik darstellen.

Da wir uns vorher nicht mehr treffen werden, wäre es gut, wenn ihr uns eure Fragen, Wünsche und Anregungen für diesen Abend und zum Thema „behindert in BaWü“ vorab per E-Mail (schade@aktive-behinderte.de) zuschickt.

Aufgrund begrenzter Platzkapazitäten bei uns im ZsL wäre es gut, wenn ihr uns bis 21. September 2011 rückmelden könnt, mit wie vielen Personen ihr kommt. So können wir uns gegebenenfalls um andere Räumlichkeiten kümmern.

Wir freuen uns auf euren Besuch und einen informativen, diskussionsfreudigen Abend!

Gez.,

Runder Tisch: Behindert in BaWü
&
Zentrum selbstbestimmt Leben Stuttgart
Reinsburgstr. 56, 70178 Stuttgart
Tel.: 0711 / 780 18 58
Britta Schade, schade@aktive-behinderte.de

Stuttgart, den 12.09.2011

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Protest-Reaktion auf neuen Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen, Gerd Weimer

Offener Brief an die Landesregierung zum von der SPD vorgeschlagenen Mann für die Aufgabe des Beauftragten für behinderte Menschen

Falls die Pressemeldung die heute in der Südwestpresse veröffentlicht wurde stimmt, demnach Herr Gerd Weimer, Landesvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, ehrenamtlicher Beauftragter für Menschen mit Behinderung wird, dann ist dies für uns Menschen mit Behinderung und deren Angehörige ein Schlag ins Gesicht oder besser noch ein Schlag ins Herz. Wir haben uns von dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg auch einen Wechsel in der Behindertenpolitik erhofft und uns u.a. in einem offenem Brief dafür eingesetzt haben, dass die Stelle des Landesbehindertenbeauftragten mit einer kompetenten und unabhängigen Persönlichkeit aus dem Bereich der Betroffenen besetzt wird. Wir wissen, dass sich auch einige kompetente Personen für diesen Posten beworben haben. Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob nach wie vor über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden soll. Wo bleibt da der viel beschworene Wechsel zu einer Bürgergesellschaft?  Wo ist da eine solidarische und unabhängige Interessenvertretung für Menschen mit Behinderung bzw. deren Angehörigen. Die Besetzung eines Postens mit einem langgedienten Parteifunktionär bzw. ein Vertreter eines Verbandes hat offenbar mal wieder Vorrang vor den vollmundigen Wahlversprechen. Auch dass dieser Posten nur ehrenamtlich besetzt werden soll, zeigt was für einen Stellenwert der Vertretung behinderte Menschen und deren Angehörigen beigemessen wird.

Wir möchten mit diesem Brief dem Wunsch Ausdruck verleihen, diese Entscheidung über die Stellenbesetzung nochmals zu überdenken,  und einen Landesbehindertenbeauftragten unter Mitsprache und aus den Reihen der Betroffenen zu benennen, damit endlich auch in Baden-Württemberg Behindertenpolitik  „mit uns – nicht ohne uns“ gemacht wird im Sinne selbstbestimmter und inklusiver Teilhabe, bzw. im Sinne der von Deutschland mitunterzeichneten UN-Behindertenrechtskonvention.

Es wäre zu wünschen, dass die Grünen und auch Menschen aus dem Umfeld der SPD, die sich dem Gedanken der Inklusion bzw. der Umsetzung der UN-Konvention verpflichtet fühlen, die sich jetzt abzeichnende Entscheidung nicht einfach hinnehmen und absegnen werden.
Link zum Presseartikel der SWP:
Link zum Diskussionsblog „Runder Tisch: Behindert in BaWü“:

Gez.,
Initiative
Runder Tisch: Behindert in BaWü
&
Zentrum selbstbestimmt Leben Stuttgart
Tel.: 0711 / 780 18 58
Britta Schade, schade@aktive-behinderte.de

Stuttgart, den 19.07.2011

Veröffentlicht unter Uncategorized | 2 Kommentare

Offener Brief an die Landesregierung von BaWü – bzw. das Sozialministerium

Sehr geehrte Damen und Herren,

Auf Nachfragen des ABS/ZsL Stuttgart bei dem Ministerium für Soziales zum Thema die/der Beauftragte für Menschen mit Behinderung, erhielten wir folgende Antwort:

„Das Thema Behindertenbeauftragt /r steht bei uns ganz oben auf der Agenda. Allerdings wollen wir keine schnelle sondern eine gute Lösung. Wir denken aber bald eine/n Beauftragte/n präsentieren zu können. Ihr Vorschlag einen Menschen mit Behinderung zu ernennen, ist natürlich auch bei uns ein Thema. Letztendlich werden wir aber die Person auswählen, die nach unserer Auffassung – ob nun mit oder ohne Behinderung –  die Anliegen der Behinderten in unserem Land am besten vertreten kann.“

Diese Aussage lässt nochmals nachhaken und auf das Ergebnis unseres ersten runden Tisches hinweisen. Wir wollen auch keine schnelle sondern eine Lösung die dem Konsens unseres runden Tisches entspricht.

Am 26. Mai trafen sich auf Einladung des ABS/ZSL Stuttgart Teilnehmer aus ganz Bawü, zu einem ersten runden Tisch, es kamen Werkstatträte, Vertreter von Selbsthilfeorganisationen, Verbänden und „Einzelkämpfer“. Dieses erste gut besuchte Treffen sollte dem Kennenlernen, der Ideensammlung und Vernetzung dienen.

Allgemeiner Konsens bestand darin, dass ein Behindertenbeauftragter des Landes BaWü und auch der Behindertenbeirat des Landes BaWü nicht mehr vom Minister Präsidenten bestimmt wird und aus den Reihen der Politiker kommt, sondern, dass diese Ämter von Personen bekleidet werden, die selber betroffen sind, oder von Angehörigen, dieser Personengruppe. Experten in eigener Sache, mit einem Blickwinkel, der für die Belange von Menschen mit Behinderungen geschärft ist.

Da diese Posten für ganz BaWü vergeben werden, sollte auch jeder Mensch mit Behinderung, jeder Verein und jede Institution die sich für die Belange behinderter Menschen einsetzt die Möglichkeit haben sich zu diesem Prozess zu äußern, sich einzubringen Anregungen an den Beirat oder die Beauftragte kund zu tun. Ganz Baden Württemberg soll in dem Prozess beteiligt sein, nicht nur verschiedene Kreise und Städte, die schon eine gute Struktur haben.

Mit der Antwort des Sozialministeriums auf unsere Nachfrage scheint dieses Amt der/s Beauftragten für Menschen mit Behinderung nicht in diesem Sinne bestimmt zu werden, sondern wieder mal „ohne uns und nicht mit uns“.

Mit diesem Brief wollen wir unsere Forderung nach einer Miteinbeziehung von Betroffenen und Betroffenenverbänden nochmals Ausdruck verleihen.
Wir denken die Miteinbeziehung betroffener Menschen in diese wichtige Personalentscheidung wäre auch ein Zeichen für die Umsetzung der UN-Konventionen in BaWü.

Ein anderes Ergebnis des runden Tisches ist der neu eingerichtete Blog
https://behindertinbawue.wordpress.com/
gerne können Sie an der hier angestoßenen Diskussion teilnehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Als eine Vertreterin des runden Tisches

Britta Schade

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare